Allemannia Aktuell 18.05.2020 - Leistungssport in der Corona Zeit

Jedes Jahr läuten wir unsere Saison im Märztrainingslager in Varese oder in Erba ein. Beides liegt im Norden Italiens in der Lombardei. Eine Woche bevor es dieses Jahr losgehen sollte, wurde in den Medien breit darüber berichtet, dass das neuartige Coronavirus in dieser Region mit einigen 100 Fällen besonders stark verbreitet ist. Zu dem Zeitpunkt waren wir uns noch einig, dass ein Trainingslager auch ohne Infektionen durchführbar sein sollte. Die Wahrscheinlichkeit war aber zu groß, dass Reiseeinschränkungen uns die Rückkehr erschweren könnten. Kurzfristig haben wir also ein Trainingslager bei uns in Hamburg Allermöhe auf die Beine gestellt. Unsere U23 Leistungssportler haben sich ausweichend auf die Reise ins weit entfernte Ratzeburg begeben. Nach 400-500 Trainingskilometern im Kleinboot, einigen Belastungen und anderem Ausgleichstraining beendeten wir das Trainingslager mit der Nachricht, dass Schulen und Universitäten erst mal geschlossen bleiben. Der Unterricht sollte online stattfinden und das Sommersemester sich um mehrere Wochen nach hinten verschieben. Zuversichtlich gingen wir noch davon aus, nun die nächsten Wochen intensiv fürs Rudern nutzen zu können, da ja nun alle Zeit hätten. Die Schließung des Ruderclubs machte uns da aber einen großen Strich durch die Rechnung.

Da wir aber wissen, dass jeder bei guten Bedingungen trainieren kann, wollten wir die außergewöhnliche Situation nutzen, um uns einen Vorteil zu verschaffen. Kurzerhand verteilten wir alle Ergos an unsere Leistungssportler, schrieben Trainings- und Kraftpläne so um, dass sie von zu Hause aus absolviert werden können und führten einige Zoom Meetings durch, um die Motivation oben zu halten. 
In den gegebenen Möglichkeiten versuchten wir das Training soweit es geht abwechslungsreich zu gestalten. An den sonnigen Tagen war es kaum möglich sich am Allermöher Deich aufzuhalten, ohne von einem unser Leistungssportler auf dem Rennrad überholt zu werden. Viele Eltern ließen sich überzeugen ein Rennrad als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk anzuschaffen. 

Ein herber Rückschlag für die Motivation war dann die Absage aller Weltmeisterschaften, ein zweiter folgte mit der Ankündigung des Ruderverbandes alle Veranstaltung, unter anderem auch die deutschen Meisterschaften, abzusagen und nicht nachzuholen. Nach großer Kritik der Vereine und Landesruderverbände wird nun doch geprüft, in welchem Rahmen eine Meisterschaft stattfinden kann. 
Direkt nachdem wir erfuhren, dass wir am nächsten Tag wieder rudern dürften, setzten wir alle Hebel in Bewegung, um am nächsten Tag die ersten auf dem Wasser zu sein. 
Zwar ist erstmal nur das Einer fahren erlaubt, aber das reicht unseren Sportlern als Motivation noch mehr Gas zu geben als vorher. 
Ich bin mir sicher, dass wir, zumindest aus Sicht des Leistungssports, als Gewinner aus der Krise hervorgehen werden. 
Unsere Männer und mittlerweile ja auch einige Frauen brennen auf jeden Fall dafür, sobald es wieder möglich ist, so viele Medaillen wie möglich für die Allemannia einzufahren. Für einige kann es auch noch die Möglichkeit geben auf europäischen Wettkämpfen, wie der U23 oder U19 EM zu starten, wenn es die Corona Lage zulässt.

Jascha Ningelgen